Beste Garne für feinste Baumwollstoffe

Mode, das ist ein bunter Mix aus Farben und Formen. Mal schlicht, mal bunt. Ob ein Stoff sich auf der Haut angenehm anfühlt hängt maßgeblich vom verwendeten Garn ab. Früher, als Garne noch mühsam am Spinnrad gesponnen wurden, war der Herstellungsprozess jedem geläufig. Heute machen wir uns um die Garnproduktion kaum noch Gedanken.

Damit ein Faden entsteht, müssen einzelne Fasern miteinander versponnen werden. Das geschieht, indem sie ineinander gedreht und in die Länge gezogen werden. Einst war das eine langwierige Handarbeit. Um so schwieriger, je feiner ein Garn werden sollte. Dazu verwendete man ursprünglich die Handspindel, später setzte sich das Spindelspinnrad durch. Guter Faden zeichnet sich dadurch aus, dass er gleichmäßig stark und möglichst reißfest ist. Außerdem muss er frei von Knoten sein. Nur erstklassige Garne lassen sich auf dem Webstuhl zu hochwertigen Stoffen verarbeiten.

1771 wurde an mehreren Standorten rund um Manchester im großen Stil mit der industriellen Garnproduktion begonnen. Damit war es möglich, zahlreiche Fäden gleichzeitig zu verarbeiten. Das bedeutete einen gewaltigen Produktivitätsfortschritt gegenüber der bisherigen Handarbeit. Denn jetzt wurden nur noch fünf Arbeiter benötigt, um die gleiche Arbeit zu leisten, für die man von Hand 96 Personen gebraucht hatte. 1769 war die Erfindung in England unter dem Namen „Waterframe“ patentiert worden. Der Name rührte daher, dass für die Garnproduktion nur eine sehr gleichmäßige Antriebskraft in Frage kam, da die Fäden sonst zerrissen wären. Daher wählt man ein Wasserrad als Kraftquelle. Die Maschinenbauteile waren in einem soliden Holzrahmen angeordnet, daher stammt die Bezeichnung „Frame“. Damals waren noch viele Kinder unter den Beschäftigten der Garnfabriken. Die Arbeit in den großen Spinnsälen war eine Tortur. Es war laut, heiß und staubig. Die Luftfeuchtigkeit war hoch und dazu stank es auch noch, weil sich die Baumwollfasern am besten feucht verarbeiten ließen.

1781 wurde auch in Berlin die erste Spinnmaschine vom Textilfabrikanten Johann Georg Sieburg in Betrieb genommen. Klar, dass die Briten „absolutely not amused“ waren, dass ihr Know-how nun auch im Ausland genutzt wurde. Vermutlich ist hierbei jedoch nur die Technik der „Spinning Jenny“ zum Einsatz gekommen, ebenfalls eine englische Entwicklung, die allerdings nicht patentgeschützt war. Ein Export der patentierten Waterframe-Maschinen war hingegen ausdrücklich untersagt worden. 1783 gelang es jedoch Johann Gottfried Brügelmann in Ratingen die Waterframe-Spinntechnik mit Wasserkraft einzusetzen. Wirtschaftshistoriker gehen davon aus, dass intensive Industriespionage im Spiel gewesen ist, um die komplexe Technik nachbauen zu können. Er hatte dazu auch einen versierten Techniker abgeworben. Das Abgucken war nicht einfach, denn die britischen Entwickler hatten ganz bewußt irreführende Elemente mit eingebaut, die es Spionen erschweren sollten, den Mechanismus zu entschlüsseln.

Das fertige Baumwollgarn wird auf mechanische Spindeln gewickelt und dient als Ausgangsmaterial der anschließenden Weberei. Vor Einführung der Spinnmaschine brauchte man mindestens vier Spinner, um einen Weber mit Garn zu versorgen. Garn war dadurch knapp und teuer geworden. Schon 1733 waren Webstühle mit so genanntem „fliegenden Schiffchen“ eingeführt worden, auf denen man sehr zügig arbeiten konnte, wenn nur genügend Garn zur Verfügung war. Durch das maschinelle Spinnen ließen sich die Garnpreise nun deutlich senken. Dadurch wurden Baumwollstoffe für weite Teile der Bevölkerung bezahlbar.

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