Ein echter Stetson steht nicht nur Cowboys

John Batterson Stetson war Patriot. 1830 als siebtes von insgesamt zwölf Kindern eines Hutmachers in Orange im Staat New Jersey geboren, war es für ihn selbstverständlich, sich im amerikanischen Bürgerkrieg als Freiwilliger zur Verfügung zu stellen. Doch das scheiterte an seinem angegriffenen Gesundheitszustand. Er wurde abgelehnt.

So hatte Stetson Zeit, einige Abenteurer zu begleiten, die in den Rocky Mountains am Pikes Peak ihr Glück beim Goldschürfen versuchen wollten. Zu Fuß wanderte die Gruppe durch die Wildnis. Ein beschwerlicher Weg; nur die nötigsten Utensilien konnten mitgenommen werden. Das Leben unterwegs war eine Herausforderung an Improvisationsgeist und Durchhaltevermögen. Stetson hatte, ebenso wie sein Vater, den Beruf des Hutmachers erlernt, war also nicht an lange Märsche gewöhnt und zusätzlich durch Tuberkulose geschwächt. So verlangt ihm die Reise alle seine Kräfte ab.

Das Wetter ist äußerst wechselhaft. Oft werden die Männer von starken Stürmen und Regengüssen überrascht. Als Schutz fertigten sie sich Zelte aus den Häuten erlegter Tiere an. Ein bunter Mix aus Ratten-, Stinktier-, Biber-, Kojoten- und Kaninchenfellen entstand. Doch ohne Möglichkeit, das Leder zu gerben, verdirbt es; die Zelte sind nicht beständig. Ein haltbareres Tuch muss her.

Stetson rasiert einige der Felle, verwirbelt und knetet die Haare mit heißem Wasser so geschickt zu Klumpen zusammen, dass sich schließlich eine zusammenhängende Filzdecke bildet. Die aus diesem Material gefertigten Filzzelte halten der Witterung sehr gut stand. Und als noch etwas davon übrig ist, fertigt Stetson auch noch einen Filzhut daraus. Der gefällt einem Viehhirten, den sie unterwegs treffen, so gut, dass er dafür eine Goldmünze zahlt. Der erste Verkauf eines echten Stetsons. Stetson darf also mit Fug und Recht als Urvater und Erfinder des Cowboyhutes gelten.

Mit der Goldsuche hat Stetson kein Glück. Deshalb gibt er sie bald auf und beschließt, sich in Philadelphia niederzulassen und wieder Hüte zu fertigen. Von nun an fand seine Kreation Jahr für Jahr mehr Liebhaber. Schlecht für die Biberpopulation. Denn deren Fell galt als besonders geeignet, um guten Filz herzustellen, so dass sie nun vermehrt gejagt wurden.

Von Anfang an wurde ein hoher Qualitätsstandard nie unterschritten. Auch wenn dadurch der Preis eines echten Stetsons für manchen Käufer einen Wochen- oder sogar einen Monatslohn ausmachte. Das störte die Cowboys aber nicht. Denn sie wußten: Dieser Hut hält und zwar lange. Einen Stetson kann man in den Koffer knüllen, nach dem Auspacken ist er sofort wieder in Form.

Als Stetson am 18. Februar 1906 starb, hinterließ er ein Millionenvermögen und ein regelrechtes Imperium der Hutfabrikation. Die Idee des Cowboyhutes hat überlebt. Nicht nur in der Viehwirtschaft. Zahlreiche Prominente, darunter viele Countrysänger, tragen ihren Stetson mit Stolz und sind damit modische Vorbilder geworden. Er gehört einfach dazu. Was wären die Brüder von Bonanza, J.R. Ewing, Buffalo Bill oder John Wayne ohne ihren Hut? Unvorstellbar! Stetson Hüte sind zum nationalen Symbol geworden. Wohl kaum ein Kleidungsstück repräsentiert die Vereinigten Staaten so sehr. Der Stetson ist ein Wahrzeichen, unverwechselbar wie die Freiheitsstatue.

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