Seinen Durchbruch in den Achtzigern verdankte er einer gewissen Lässigkeit. Uniforme Maßanzüge waren auf einmal out. Das Outfit der Herren dürfte endlich etwas lockerer sein. Auch im Büro. Werber und andere Kreative machten es vor. Bald trauten sich auch andere. Unter dem locker sitzenden Sakko konnte es auch mal ein T-Shirt statt eines brettartig gestärkten Oberhemdkragens sein. Aber bitte edel.

Hier kam der italienische Modedesigner Armani gerade recht. Und sein Style war das, was modische Vorbilder wie Richard Gere (in seiner Rolle als „American Gigolo“) in jenen Jahren auf der Leinwand zeigten: Locker aber edel sollte Mann aussehen. So gefiel es auch den Frauen am besten. Und die haben bei der Herrenmode seit jeher eine Menge mitzureden.

„Dress for Success“ so lautete damals eine vielzitierte Doktrin, die darauf hinauslief, dass jeder stets bemüht war, um der Karriere willen noch angepasster zu sein, als alle anderen. Klar, dass das nur in einer gleichförmigen Langweiligkeit enden konnte.

Alles von Armani war weicher und fließender als bisher gewohnt. Der Körper wurde nicht mehr in eine steife Uniform gepresst, sondern konnte sich frei bewegen. Klar, das war bequemer und damit auch beliebter. Es gab dem Träger das Gefühl, sich buchstäblich besser darin entfalten zu können.

Die nächste Herausforderung waren die Frauen. Vor allem die, die in immer größerer Zahl selbst ins Berufsleben strebten und nun ebenso eine lässige aber elegante Businessmode verlangten, wie ihre männlichen Kollegen. Armani im Büro galt als ultimativer Chic, unaufdringlich, dennoch feminin und nicht alltäglich. Beste Stoffqualitäten, eine ansprechende Silhouette, dabei aber niemals vulgär. Die Farben blieben bewußt dezent.  So schuf Armani einen unverwechselbaren Stil, der sich bald stolz auf vielen Chefetagen tummelte.

Minimalistisch, schmucklos in gedeckten Farben und dennoch unverwechselbar. Das war Understatement vom Feinsten. Und damit gewann Armani die Herzen beider Geschlechter im Sturm. Seine Mode ist zeitlos. Er selbst scheinbar auch: Wer hätte gedacht, dass dieser stets braungebrannte, gut aussehende Mann, dem sein eigener Stil so gut steht, dass man sein Aussehen am liebsten gleich mit kaufen würde, inzwischen schon über 76 Jahre alt ist. Er wurde nämlich am 11. Juli 1934 in Norditalien geboren.

Er studierte einige Semester Medizin und dekorierte Schaufenster bevor er 1957 in einem Mailänder Modehaus als Einkäufer anheuerte. Aus dieser Zeit stammt sein untrügliches Gefühl dafür, nach was der Markt verlangen wird. Er wittert Trends geradezu. Und als das, was ihm vorschwebt nicht erhältlich ist, entwirft er es ganz einfach selbst. Modehäuser erkennen sein Talent und geben ihm Aufträge für ganze Kollektionen. 1975 gründet Armani sein eigenes Label. Marke und Person kommen in idealer Weise zur Deckung. Armani repräsentiert genau das, was er gestaltet. Und das macht ihn zu einer authentischen Ikone seiner Zunft. Außerdem ist er kaufmännisch äußerst geschickt und hat die Armani-Welt durch zahlreiche Merchandising-Verträge Schritt für Schritt diversifiziert. So gibt es längst Armani-Taschen, Brillen, Kosmetika, Uhren und vieles mehr. Sogar Möbel hat er schon gestaltet. Alle Bereiche befruchten sich gegenseitig.

Ein wesentlicher Schlüssel des Erfolges liegt darin, dass Armani nicht nur ein Gespür für Fashion hat, sondern auch dafür, welche Celebrities angesagt sind. Stars und Glamour; in diesem Umfeld funktioniert Imagetransfer am besten. Tolle Typen tragen tolle Klamotten.  Nicht selten von Giorgio maßgerecht geschneidert….Ein Service den Tom Cruise oder Leonardo di Caprio gerne in Anspruch nehmen. Und wie zufällig ist Armani bei deren Auftritt oft ganz in der Nähe.

Mehr als 500 Läden gibt es inzwischen weltweit, darunter etliche Flagship Stores. Und die Marke wächst weiter. Armani Hotels und Armani Restaurants erweitern das Modelabel in einen bisher eher branchenfremden Sektor. Dazu gehört Mut, Armani hat ihn.

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